Sonntag, 19. Juli 2009

    Betäubung

    Heute wieder mit dem Rad unterwegs gewesen. Ich habe in letzter Zeit verstärkt das Gefühl, dass mir daheim die Decke auf den Kopf fällt. Da ist nichts zu tun, nichts, dass mich befriedigt, nichts dass mich ausfüllt. Natürlich könnte ich Staubsaugen. Natürlich könnte ich auch mal wieder das Badezimmer reinigen. Die Spüle scheuern. Dinge erledigen. Altglas und Müll runterbringen. Fingernägel schneiden. Wäsche waschen. Egal, was ich tue: Alles wird überschattet von dieser inneren Unruhe. Dem Bedürfnis nach Eindrücken, Erlebnissen, die das Vakuum im Kopf auffüllen könnten. Oder, ganz profan gesagt: ich langweile mich entsetzlich.

    Dieses Gefühl ist neu für mich. Bislang gab es immer etwas, das mich in meinem Emeritendasein beschäftigte. Früher waren es Videospiele, während des Studiums waren es Semesteraufgaben, Liebeskummer und die Verzweiflung über die fortwährende Bewegung in eine Sackgasse, die ich an mir festzustellen glaubte. Heute glaube ich, dem Videospiel entwachsen zu sein, mich sowieso nur in Typen zu verlieben, die unerreichbar für mich sind und die Bewegung in die Sackgasse ohnehin nicht aufhalten zu können.

    Die Radtour liegt nun hinter mir. Es ist das erste Mal, dass ich so spät Abends noch so weit draußen mit dem Rad unterwegs war. Ich bin erschöpft, schnell gefahren. Das Hemd ist nass vor Schweiß, und meine Beine rebellierten beim Treppenaufstieg zur Wohnung. Ich habe dutzende Nacktschnecken überfahren, bin durch mehrere Mückenschwärme gerast und habe eine Banane gegessen. Die Leere ist noch immer da. Aber wenn ich gleich in tiefen Schlaf falle, bemerke ich sie wenigstens nicht mehr.

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