Freitag, 18. September 2009

    Binäre Lektionen

    Seit einiger Zeit versuche ich nun, etwas zu dagegen zu unternehmen. Gegen die Langweile, gegen die Isolation. Ich versuche, gleich zu ziehen mit denen, die mich im wahren Leben umgeben. Ich versuche, über das Internet das zu initiieren, was man Spaß am Leben nennen könnte.

    Es ist sehr frustrierend, sehr mühsam.

    Ich streue mich an einigen Stellen ins Netz der Netze ein. Hier ein Bröckchen, da ein Bröckchen. Zunächst ging es mir lediglich darum, mein Selbstwertgefühl aufzubauen. Mir zu beweisen, das nicht alles, was ich schreibe und tue, Müll ist. Ich eröffnete diesen Blog, später einen Twitter-Account und wenig später folgte ein Blip-Account. Alles läuft eher leidlich. In diesem Blog passiert nichts. Das ist mir aber tatsächlich ganz recht so. Bei Twitter habe ich im Verlauf eines Jahres zirka einhundert Leute für mich und das was ich dort schreibe begeistern können. Ich schreibe Triviales, ich bin manchmal witzig, meist aber doch eher hölzern bis bemüht. Außerdem bin ich in letzter Zeit auch eher nachlässig, poste nur noch selten. Es macht mir auch nicht mehr wirklich Spaß, ist mehr zu einer Last als zu einem Vergnügen geworden. Wie dem auch sei: Der Account bleibt bestehen, vielleicht wird ja noch was draus, vielleicht auch nicht, egal.

    Etwas anders ist die Sache bei meinem Blip-Account gelagert. Musik liegt mir am Herzen, Musik war mir in der Vergangenheit einziger Trost. Mag pathetisch klingen, ist aber Tatsache. Ich blipe jetzt seit etwas über einem Jahr, und habe bis heute eintausendsechshundert Hörer sammeln können. Das mag nach viel aussehen, ist aber tatsächlich ziemlich wenig, wenn man bedenkt, dass andere Leute in weniger als sechs Monaten das drei bis vierfache an Hörern zusammenbringen. Die Gründe für die niedrige Hörerzahl sind vielfältig, zu den wichtigsten gehört wohl, dass ich erstens konsequent in deutsch blipe, zweitens nur selten chatte und drittens einen sehr sprunghaften Blipstil pflege, der so ziemlich alle Facetten abdeckt, für die ich mich interessiere.

    Wenn man das so liest, ist es schon wundersam, dass mir eintausendsechshundert Leute zuhören wollen. Tatsächlich macht es mich ein bisschen Stolz und gibt mir auch das Gefühl, nicht so ganz allein da zu stehen mit dem was ich mag. Natürlich ist mir klar, dass nicht alle eintausendsechshundert Hörer bei Blip.fm wirklich immer zuhören bzw. lesen. Und ich fürchte, dass einige mir vielleicht nur zuhören, um sich über mich lustig zu machen. Aber immerhin: Ein paar Leute interessieren sich ansatzweise für mich. Und schätzungsweise zehn bis zwanzig von ihnen hören mir tatsächlich zu.

    Gestärkt durch das Interesse an meinem Output bei Blip.fm, habe ich es gewagt, den letzten ›großen‹ Schritt zu machen: Ich meldete mich bei Neu.de und OkCupid.com an. Und dies trotz der Gewissheit, dass dieses Interesse nicht in meiner Person, sondern in dem, was ich ›auflege‹ besteht. Letztlich ausschlaggebend war deswegen ein Arschtritt einer Freundin, die meinte, ich solle endlich mal damit beginnen, mein Leben zu leben. Sowas lasse ich mir natürlich ungern zwei Mal sagen, und so nahm das Unglück seinen Lauf.

    Um das Fazit direkt vorweg zu nehmen: Diese ganze Partnerbörsenerfahrung war und ist ein Reinfall. Die einzigen, die sich für mich zu interessieren scheinen, sind lüsterne Rentner und Transvestiten, die mir was beibringen wollen. In vier Wochen meiner Mitgliedschaft brachte ich es bei Neu.de nur knapp über zwanzig Klicks. Nun gut, ich wurde auch geflasht. Allerdings kamen diese Flashs mit einer einzigen Ausnahme alle von einer Person, über vierzig Jahre, über einhundert Kilo, die ich wiederum so unattraktiv fand, dass mir diese Aufmerksamkeit zuletzt richtig unangenehm wurde. Bei OkCupid läuft es auch nicht besser, wobei die wenigen Leute, die mich dort anklicken, wenigstens keine lüsternen Rentner sind. Angewunken (das OkCupid-Equivalent zu ›Flashen‹) wurde ich dort noch nie. Dafür wurde ich bei OkCupid von einem Transvestiten angeschrieben, der sich selbst als »nymphomanische Hure« bezeichnete. Ansonsten passiert dort herzlich wenig. Trotz Profiltexten. Und Profilbildern.

    Bei Neu.de habe ich mich schon wieder abgemeldet. So viel Selbstachtung muss dann doch sein.

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