Mittwoch, 13. Januar 2010

    Weiße Lektionen

    Es begab sich eines Sonntags im Januar, Schnee war frisch gefallen und bedeckte die herrliche Landschaft des östlichen Ruhrgebiets unter einer weißen Decke und so… also, es begab sich, dass ich auf die Idee kam: »Ja, warum eigentlich nicht?«.

    Darum setzte ich mich guter Dinge in die U-Bahn und fuhr in den Süden, Richtung Park. Ich verließ die Bahn an der Endhaltestelle und begann, sinn- und ziellos durch die Gegend zu spazieren. Die Winterlandschaft war ein Genuß, wirklich wunderbar anzusehen. Es waren entsprechend viele Menschen im Park unterwegs. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass geschätzte neunzig Prozent von ihnen entweder mit Partner oder gleich mit ganzer Familie unterwegs waren. Und bei noch genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass ich auch von Ihnen betrachtet wurde. Einige starrten regelrecht. Die ganze Situation wurde mir nach kurzer Zeit bereits so unangenehm, dass ich mich in die unbevölkerteren Seitenwege flüchtete. Auch wenn ich noch weit davon entfernt war, mir den Nachmittag von händchenhaltenden Pärchen versauen zu lassen, wurde ich doch nachdenklich.

    Ein wenig respektlos war es schon, wie mich die Leute anstarrten. Hatte ich ein Schild mit der Aufschrift »Vollidiot« um den Hals hängen? Hing mir eine Nudel vom Mittagessen im Bart? Oder, noch schlimmer: Hing mir ein Popel in der Nase? Nein! Ich gehörte lediglich zu den lächerlichen zehn Prozent, die alleine, und zu den zwei Prozent, die alleine und zusätzlich noch ohne Kind oder Hund im Park waren.

    Ich war schon lange nicht mehr allein zu Fuß unterwegs. Wenn ich – auch alleine – mit dem Fahrrad durch die Gegend fahre, sehe ich häufig Männer im Alter 50 und aufwärts, die ihrerseits allein durch die Gegend spazieren. Vielleicht hatte die Frau keine Lust, mitzugehen. Vielleicht sind sie schon verwitwet. Es könnten jedoch auch gescheiterte Existenzen sein, die, einsam und allein, mit sich und der Welt hadernd, sinn- und ziellos durch die Gegend streunen.

    »Ja, warum eigentlich nicht?«. Weil ich nicht von anderen als gescheiterte Existenz, als einsamer Single gesehen werden möchte, zum Beispiel. Deswegen habe ich meinen Fotoapparat in den Rucksack gepackt. Dort sieht ihn zwar keiner, aber er ist dennoch ein guter Grund, als Mann alleine im Winter durch die Gegend zu spazieren. Als ich wieder zu Hause ankam, hatte ich zwei Fotos geschossen. Für mehr ich war einfach zu sehr mit Grübeln beschäftigt.

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    Ja, bitte?